Details vom Mond

Solange ich “nur” mit 750 mm Brennweite und meinem Newton unterwegs war, war der Mond ein eher störendes Objekt am Himmel, mit dem man sich als Deep-Sky Astrofotograf eher arrangieren muss, als dass man ihn liebt. Das hat sich mittlerweile ein wenig geändert. Vor einigen Wochen wurde meine Ausrüstung durch ein Celestron EdgeHD 800 mit einer Öffnung von 203 mm bei 2032 mm Brennweite (f/10) erweitert. Seither macht der Mond schon deutlich mehr Spaß und ich habe mein Interesse am Mond neu entdeckt. Lässt sich doch Mondfotografie insbesondere in der Phase des zunehmenden Mondes gut abends nach der Arbeit noch schnell mal eben im Garten bewerkstelligen (Abb. 1). Das ist eine ziemlich chillige Feierabendbeschäftigung, so mit Füße hoch und ‘nem Bierchen dabei.

Abb. 1: Mondsetup im Garten

Monddetails

Interessant sind am Mond bei Detailaufnahmen vor allem die Bereiche in der Nähe des Terminators, also der hell/dunkel Linie, die über die Mondkugel läuft. Hier werfen Krater und Rillen durch die sehr schräg einfallende Sonne sehr lange Schatten und die Oberflächendetails lassen sich kontrastreich abbilden. Es ist üblich aufgrund der hohen Vergrößerungen bei der Mond- und Planetenfotografie nicht mit Einzelbelichtungen zu arbeiten, sondern Videos aufzunehmen und anschließend mit spezialisierter Software die guten Einzelbilder zu extrahieren und im Mittelwert zu verrechnen. Das sind längst nicht alle Bilder des Videos, da viele Frames durch die Luftunruhe verzerrt, deformiert oder unscharf sind. Ein oft verwendetes Programm für solche Aufgaben ist AutoStakkert!, mittlerweile als Freeware in der Version 3 erhältlich. Und das geht erstaunlich gut und führt zu wirklich tollen Ergebnissen.

Monddetails bei nativer Brennweite

Wie eben geschrieben werden für die Aufnahme üblicherweise Videos aufgenommen. Wie das aussieht, zeigt das eingebettete Video. Dies entstand am 16.05.2021 ca. 2 Stunden vor Sonnenuntergang bei noch blauem Himmel. Das Seeing – die Luftunruhe – ist gut im Video zu erkennen, wenn auch die Bedingungen an dem Abend eher gut waren. Die blaue Farbe kommt durch den zum frühen Abend noch blauen Himmel und das Benutzen einer Farbkamera.

Um daraus nun ein Foto zu machen, extrahiert man die brauchbaren Frames aus dem Video und lässt diese per Software zu einem Endbild zusammenrechnen. In diesem konkreten Fall wurden aus einem 90-sekündigen Video mit ca. 2500 Einzelbildern (28 Bilder/s) ein finales Bild berechnet (gestacked), welches sich nur aus den besten 10 % (250 Bildern) des Videos zusammensetzt. AutoStakkert bewertet nach einem internen Algorithmus die besten Frames in einem Rankingsystem und stackt dann die Prozentzahl, die der Anwender vorgibt. Heraus kommt ein noch unscharf wirkendes Bild, welches dann weiter bearbeitet werden muss. Nach Farbanpassungen, Schärfungen und Kontrastanpassungen wird schließlich ein ansehnliches Bild draus (Abb. 2).

Abb. 2: Südregion des Mondes bei f = 2032 mm mit einer ASI120MC-S

Monddetails mit Barlowlinse

Noch mehr Details lassen sich dem Mond entlocken, wenn die Brennweite des Teleskops mit sogenannten Barlow-Linsen weiter verlängert wird. Dabei sinkt zwar die Lichtstärke, was angesichts des hellen Mondes jedoch kein wirkliches Problem darstellt. Mit einer 2x Barlow-Linse lässt sich die Brennweite des EdgeHD800 auf 4 Meter erhöhen. In Verbindung mit einer kleinen Planetenkamera wie der ASI120MC-S lassen sich aufgrund der kleinen Pixel dann sehr hohe Vergrößerungen erreichen.

Das nachfolgende Bild zeigt die Region um den Krater Aristoteles in der nördlichen Region des Mondes. Der größte Krater auf diesem Bild misst 88 km im Durchmesser. Unterhalb des Kraters sieht man den ebenfalls auffälligen Krater Eudoxus, in dessen Süden sich eine Gebirgskette anschließt, die als “Montes Caucasus” bezeichnet wird und die sich bis 4000 m über die Mondoberfläche erhebt.

Abb. 3: Die Region um den Krater Aristoteles

Das Bild entstand einfach mit Teleskop und Planetenkamera, ohne den Einsatz zusätzlicher Tools wie ADCs (atmospheric dispersion corrector) oder Farbfiltern zur Reduktion der atmosphärischen Störungen. Mit dem Einsatz solcher Hardware sollte sich der Gesamteindruck noch ein wenig verbessern lassen, da die Rohdaten im Video an sich noch ruhiger und kontrastreicher werden.

Mond für zwischendurch

Alleine durch die Erweiterung um ein Teleskop mit hoher Brennweite ist mein Interesse am Mond sprunghaft gestiegen. Klar, mein Schwerpunktinteresse liegt nach wie vor bei der Deep-Sky Fotografie und so ist die angestrahlte Kugel, die unsere Erde umkreist, immer noch in vielen Nächsten nicht gerne gesehen – aber für zwischendurch ist Mondfotografie nun ein interessantes Gebiet für mich.

Fest eingeplant ist die Erweiterung der Hardware um ein ADC-Element zur Eliminierung der atmosphärischen Dispersion. Dann werden wir mal sehen, was da noch so herauszuholen ist. Auf jeden Fall ist diese Art der “Fotografie” eine schöne, kurzweilige Beschäftigung für laue Abende im Garten. Fazit: Macht Spaß!

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.