Banding bei der EOS 5D Mark IV – und was man dagegen tun kann

Neben meinen Astrokameras für die Astrofotografie habe ich auch eine Canon EOS 5D IV für normale Taglichtfotografie im Einsatz. Und so wie es im Leben manchmal spielt, lag die nun fast zwei Jahre lang wenig bis gar nicht benutzt im Arbeitszimmer herum.

Als guten Vorsatz für das Jahr 2022 möchte ich wieder mehr fotografieren und war letztes Wochenende endlich mal wieder mit einem Fotokollegen unterwegs. Es ging in den Neusser Hafen für Industriefotografie nach Sonnenuntergang. Als ich später an dem Abend nach der Tour durchgefroren zuhause auf der Couch landete und die Bilder von der SD Karte in Lightroom importierte, bekam ich recht schnell einen Schrecken. Auf allen Belichtungen mit mehr als 5 Sekunden Belichtungszeit war ein deutlich fehlerhafter Streifen (Banding) im Rohbild zu erkennen (Abb. 1).

Abb. 1: Langzeitbelichtung mit Banding im oberen Bilddrittel

Die Canon 5DIV und das Banding

Schon kurz nach Markteinführung der EOS 5D IV wurde in einigen Foren von Banding-Problemen mit dem Sensor berichtet. Dies wurde sowohl von Taglichtfotografen (Link) als auch von Astrofotografen beobachtet (Link).

Wie üblich, entwickelten sich daraus oft lange und wenig aufschlussreiche Diskussionen, denen ich dann nur mehr oder weniger Aufmerksamkeit geschenkt habe. Bei meiner 5D IV hatte ich das Phänomen nur ganz minimal und vereinzelt in einigen Aufnahmen. Aber zum einen trat dies so vereinzelt auf, dass ich das getrost als Ausreißer tolerieren konnte – zum anderen musste ich in der Aufnahme schon ordentlich „falsch“ Belichten und dann noch die Regler in Lightroom ordentlich schubsen, damit solche Effekte überhaupt auf meinen Bildern sichtbar wurden. Alles in allem hab ich mich von dem Problem nicht betroffen gefühlt.

Ist der Sensor schlecht geworden?

Umso erstaunter war ich über das deutliche Banding in meinen ersten Aufnahmen nach 2 Jahren Pause. Schon in allen unbearbeiteten RAWs  war ein Streifen im Himmel zu erahnen und mit ein bisschen „schubsen“ der Regler stach er förmlich heraus (Abb. 1). Was war das? Sensordefekt? War die Kamera sauer auf mich, weil ich sie 2 Jahre nicht beachtet habe? Ist der Sensor beim Liegen schlecht geworden? Ich war jedenfalls geschockt, dass meine gute alte EOS 5D IV so einen Mist produzierte. Und das unscheinend unabhängig von der ISO.

Nun ist es so, dass ich in der Zwischenzeit durch die Astrofotografie viel über Sensorfehler gelernt hatte. Also entschloss ich mich ein BIAS Bild bei 1/8000 und ISO100 sowie ein Dunkelbild (Dark) bei 30 Sekunden und ISO100 anzufertigen. Das BIAS war unauffällig, aber im Dark war nach dem Strecken der Tonwerte ein ganz übler Streifen zu erkennen an eben der Stelle, wo er auch bei meinen Langzeitbelichtungen aufgetreten ist (Abb. 2).

Abb. 2: Banding bei 30 Sek/ISO100 nach starker Streckung des Histogramms in Lightroom

Ich verifizierte das ganze nochmal mit einer 30 Sekunden Aufnahme des örtlichen Himmels und konnte mir nun sicher sein, dass mein Sensor bei jeder Langzeitbelichtung einen hässlichen Streifen produzierte (Abb. 3).

Abb. 3: 30 Skunden Belichtung bei ISO100 und anschließendes Strecken des Histogramms

Die Lösung

Solche Bildfehler und Unzulänglichkeiten können ja auch insbesondere in der Astrofotografie durch das Summieren der Bilder zu Tage treten und um dies zu vermeiden, werden ja die Kalibrier-Frames (Bias, Darks, Flats etc) aufgenommen und die Rohbilder damit korrigiert. Das wäre zwar ne Option – allerdings eine von mir nicht so favorisierte Option. Denn auch bei der Taglichtfotografie mit Darks anzufangen ist nun wirklich nicht der Traum eines Fotografen.

Ich recherchierte also weiter im Netz und wurde schließlich fündig (Link). In einem Artikel las ich, dass nach der manuellen Sensorreinigung bei Canon Kameras quasi eine Art „Dark“ des Sensors erstellt wird um Hotpixel etc auszumappen. Die Anleitung dazu las sich wie folgt:

  • Kamera Lichtdicht verschließen
  • Manuelle Sensorreinigung auswählen
  • mind. 10 Sekunde warten
  • Kamera ausschalten
  • Wieder min. 10 Sekunden warten
  • Kamera einschalten und testen

Ich führte also diese Routine durch und machte direkt im Anschluss wieder ein 30 sekündiges Dunkelbild bei ISO100. Was soll ich sagen, der markante Streifen war weg (Abb. 4)!

Abb. 4: Erneutes Dark mit ISO100 und 30 Sekunden

Es scheint so, als würde dieses Procedere nicht nur bei Hotpixeln helfen, sondern auch bei Sensorstreifen helfen. Eine reale Aufnahme des örtlichen Nachthimmels zeigte dann auch kein Banding mehr im Himmel. Alles homogen wie es sein sollte.

Erleichterung machte sich breit. Was bleibt ist ein ungutes Gefühl ob diese Effekte Vorboten eines fortschreitenden Hardwaredefektes sind. Aber auch aus der Astrofotografie ist schließlich bekannt, dass sich „Dark“ einer Kamera über die Jahre verändern können. Deshalb bin ich mal vorsichtig optimistisch.

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